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DAVID 2006 1. Preis

"Glockenspielfestival", Kulturstiftung der Kasseler Sparkasse

Foto: Jan Pauls, Berlin

Carillon – heute liturgisch, morgen modern.


Rauch steigt über den Ständen auf. Der Duft frisch gebrannter Mandeln liegt in der Luft. Zwischen Körben, Filz und Keramik töpfern Kinder Tonschälchen, Frauen stöbern durch handgewobene Westen und Männer versammeln sich um einen Schmied. Es ist ordentlich was geboten in der Kasseler Oberneustadt. Ein Handwerkermarkt zieht sich um die schlichte Karlskirche, die scheinbar unbeachtet über dem mittelalterlichen Treiben steht – das ist aber nur eine Frage der Zeit. Denn in wenigen Augenblicken wird ihr Glockenspiel das Hämmern des Schmieds übertönen und die Aufmerksamkeit gehört den drei hochkarätigen Carilloneures – den Glockenspielern des alle zwei Jahre stattfindenden Kasseler Glockenspielfestivals.

„Auf dem Rathaus wurde 1938 ein automatisches Glockenspiel errichtet, damit hat alles angefangen“, erklärt Wilhelm Ritter, während er sich an den Spieltisch, unmittelbar unter den 47 Glocken der Karlskirche, setzt. Der Organisator des Festivals bereitet sich an dem Instrument, das so aussieht wie eine Kirchenorgel, aber nicht mit Luft, sondern mit Drähten funktioniert, auf seinen Einsatz vor. Gleich wird er im Duett mit den Baunataler Blechbläsern den Handwerkermarkt offiziell eröffnen. Jeder seiner Handgriffe sitzt, er kennt die Spielerkabine wie sein Wohnzimmer. Schließlich steigt der graduierte Carilloneure schon seit 1978 die 112 Stufen in den Turm hinauf. „Seit 1957 spielen wir vier Mal in der Woche, jeweils für eine halbe Stunde“, erläutert der Musiklehrer die Anfänge des Kasseler Glockenspiels.

Die Innenstadt wie auch das Glockenspiel auf dem Rathaus brannten im zweiten Weltkrieg nieder. Unter Initiative des damaligen Pfarrers Frommhold stifteten die Kasseler Bürger für ihre verstorbenen Angehörigen ein neues handgespieltes Glockenspiel – 1957 wurde es im Turm der Karlskirche eingeweiht. Bis heute spielen daher die Carilloneures, neben Wilhelm Ritter gehören noch Josef Heger und Manfred Hahn dazu, liturgische Stücke. „Aber nicht nur“, sagt Ritter, „unser Glockenspiel ist ein demokratisches Instrument, für jeden Menschen aus Kassel.“ Vor ein paar Tagen erst sei er auf dem Weg zum Kirchturm einem Liebespaar begegnet, da habe er für sie das Lied Love-Story gespielt. Wegen dieser musikalischen Vielfalt und modernen Einstellung der Glockenspieler gibt es wohl auch kein Problem mit dem Nachwuchs: Seit drei Jahren schon bildet Wilhelm Ritter den 16-Jährigen Daniel Schaumlöffel aus. Irgendwann wird er das Spiel über den Dächern Kassels übernehmen.

Selbstverständlich ist das nicht. Bei gerade einmal 40 handgespielten Glockenspielen in Deutschland gibt es erfahrungsgemäß nicht viele Carilloneures. Um diese Rarität in Kassel zu bewahren und der Profession eine Bühne zu geben, wird seit 1995 alle zwei Jahre das Glockenspielfestival veranstaltet. „Das Glockenspiel gehört zu unserer Stadt, es ist einzigartig und das Festival macht es bekannt“, schwärmt Eckhard Wörner von der Kulturstiftung der Sparkasse Kassel. Sie ist schon von Anfang an beim Festival dabei und unterstützt es tatkräftig. „Für das nächste Mal wollen wir sogar einen Kompositionsauftrag vergeben“, lässt Wörner vorausblickend auf das Festival 2007, in dem das 50-Jahr-Jubiläum des Glockenspiels ansteht, erkennen.

Nun aber ist es so weit: Die Baunataler Blechbläser sind postiert, die Töpferscheiben der Kinder laufen aus, das Hämmern des Schmieds verstummt und alle Blicke richten sich mit dem ersten Akkord auf den Turm der Karlskirche. Nein, nicht auf das Glockenspiel, das ist hinter den Mauern verborgen. Auf die Leinwand, die per Beamer Wilhelm Ritter in seinem Element zeigt: Mit Leib und Seele schlägt er die Stöcke des Spieltisches an und am Fuß der Kirche freuen sich die Kasseler und zahlreiche Besucher über die gelungene Kombination: Das passt einfach gut zusammen, der Markt und die Musik.

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